LiLive in Helmbrechts ,
Kulturwelten am 24.09.2011

Bevor ich
einiges zu Los Paperboys los werde, eine Bemerkung zum
Kulturweltenprogramm
in Helmbrechts. Es ist nämlich wirklich bewundernswert, wie
eine
kleine Gemeinde mit ca 9000 Einwohnern in Oberfranken es schafft jedes
Jahr
ein
so herausragendes Festivalprogramm zusammenzustellen. Das ist umso
bemerkenswerter,
da sich in Oberfranken in Richtung Pop-Musik eh recht wenig tut
und
man froh sein kann, wenn überhaupt mal ein Konzert stattfindet
(große Ausnahme
natürlich
Bamberg).
Vor allem was im Vergleich dazu im "großen Hof"
abläuft ist gerazu
peinlich
und eigentlich müssten sich die Hofer Kulturverantwortlichen
bei den Machern
in
Helmbrechts
als Lehrlinge bewerben. Denn nicht nur das Programm ist extrem
vielschichtig
und qualitativ hochwertig, es stößt auch noch auf
enorme Resonanz. So
sind
Konzerte schon nach wenigen Tagen, bisweilen nach Stunden ausverkauft
und
das
nicht nur bei bekannten Namen. Ein wirklich herausragendes Beispiel
für qualitativ
hochwertige
kommunale Kulturarbeit, wie es in Deustchland sicher nicht viele gibt.
Man
kann echt gespannt sein , was sich hier in den nächsten Jahren
noch entwickelt.
Und
mit Rebecca Bakken hat man schon das erste Highlight für das
Jahr 2012
verpflichtet.
Nun aber zu Los Paperboys,
sprachlich korrekt ist das spanische"Los" vor einem

Englischen Wort ja
eigentlich nicht. Vielleicht findet man deshalb auch immer wieder

den Namen "The Paperboys"
aber das ist wirklich schade. Denn erstens gibt es "The"

Bands wie Sand am Meer und
zweitens assoziiert man mit dem Namen gleich

spanische bzw. mexikanische
Klänge, womit man bei Los Paperboys gar nicht so

falsch liegt. Allerdings ist
dies nur ein ganz kleiner Teil dessen, was die Kanadier aus

Vancouver an Musik so auf
die Bühne zaubern. Man nimmt die Zuschauer auf eine

musikalische Weltreise mit,
neben den Tex-Mex und Latinklängen, die ich so mag

geht’s erstmal
quer durch Amerika. Country, etwas Soul und Jazz, Bluegrass und

Beach-Boys-Sound findet man
genauso, wie Europäische Einflüsse und
natürlich

Irisch-Keltische
Klänge. Musikalisch greifbar ist das ganze nicht, andere Bands

erkennt man meist sofort und
viele Lieder sind im selben Stil gehalten. Ganz anders

Los Paperboys, die seit zig
Jahren auf Achse sind und deren Reisen um die Welt die

Band und den musikalischen
Output geprägt haben, der deshalb auch extrem

vielschichtig und
abwechslungsreich ist. Je nachdem wo man sich gerade länger

aufhielt, wirkte sich dies
auf die nächste CD aus und davon sind inzwischen immerhin

8 erschienen. Deutschland
war dabei immer wieder auf dem Tourplan und so konnte

man beim Konzert auch die
eine oder andere Anektote erzählen. Bereits im Jahre

1992 hatte Tom Lenda die
Band gegründet, zu der Zeit konnte die junge Kalissa

Hernandez die Geige noch
nicht einmal halten geschweige denn spielen. Mit Sam

Escerson an den Drums,
Geoffrey Kelly an der Flöte, Brad Gillard an Banjo und Bass

sowie natürlich Tom
Landa Gitarre und Vocals sind die festen Paperboys schnell

aufgezählt. Die
Helmbrechtser hatten allerdings das große Glück auch
Nick La Riviere

an der Posaune (und Gitarre)
erleben zu dürfen, der nicht zur festen Besetzung

gehört. Das ist
eigentlich fahrlässig, denn mit welcher Klasse und
Leidenschaft der

sich einbringt und dadurch
die Musikqualität noch deutlich erhöht ist
faszinierend. Wer

Calexico kennt und die
Qualität der Trompeter und die Wichtigkeit für den

Calexico-Sound, der kann
eventuell ermessen, wie gut La Riviere agiert. Ein

Ausnahmemusiker, genauso wie
Geoffrey Kelly an der Flöte, der außerdem mit

seinem
Schweinsteiger-Fan-Fußballtrikot sich ständig um
Stimmung und gute Laune

bemühte und eine
extrem positive Bühnenpräsenz hat.

Bemerkenswert ist auch, dass
Los Paperboys ohne
großen Major im Rücken durchaus

erfolgreich sind und auch
diverse extrem renommierte Musikpreise abräumen

konnten, wie z.B. der Juno
Award (der Kanadische Grammy) oder den Preis der

Deutschen
Schallplattenkritik um nur mal 2 zu nennen. Kein Wunder, dass das fast

ausverkaufte Haus die
Kanadiern lautstark feierte und trotz Wochentag und

vorgerückter Stunde
Zugaben einforderten, einen Wunsch den die Kanadier gerne

nachkamen, die sich
höchst erfreut über den Publikumszuspruch zeigten und

Helmbrechts
sicher in guter Erinnerung behalten.
